Die Zwickmühle der Fed: Was vom FOMC-Treffen im Mai zu erwarten ist
Zwischen schwachen Stimmungsdaten und soliden Wirtschaftszahlen stehen Zinssenkungen wohl frühestens im Sommer an.
Während sich die „harten“ Wirtschaftsdaten (wie Arbeitsmarkt und Konsumverhalten) weiterhin robust zeigen, geben die „weichen“ Daten (z. B. Umfragen zur Stimmung von Konsumenten und Unternehmen) deutlich nach. In Kombination mit den Unsicherheiten rund um Donald Trumps neue Strafzölle steht die US-Notenbank (Fed) bei ihrer Sitzung im Mai vor schwierigen Entscheidungen – wahrscheinlich wird sie den Leitzins vorerst unverändert lassen.
Trumps Handelspolitik verschärft die Unsicherheit
Seit der letzten Fed-Sitzung hat sich das wirtschaftliche Umfeld deutlich verändert. Anfang April kündigte Ex-Präsident Trump umfangreiche Strafzölle auf wichtige Handelspartner an – ein Schritt, der Märkte weltweit verunsicherte. Zwar ist noch unklar, in welcher Höhe die Zölle tatsächlich greifen werden, doch Ökonomen sind sich einig: Selbst abgeschwächte Maßnahmen könnten Wachstum dämpfen und die Inflation weiter anheizen.
Anders als während der Corona-Pandemie dürfte die Fed diesmal jedoch nicht schnell mit Zinssenkungen reagieren – dazu ist die Inflation aktuell noch zu hoch. Zudem herrscht Unsicherheit, da viele Zölle erst in 90 Tagen greifen und die Verhandlungen zwischen den Handelsparteien noch laufen.
Weiche Daten brechen ein – harte Daten halten sich
Noch zeigen die offiziellen Statistiken wenig direkte Auswirkungen der neuen Handelspolitik. Zwar waren die Importe im ersten Quartal ungewöhnlich hoch – vermutlich, weil viele Unternehmen ihre Warenlieferungen vorgezogen haben. Doch während harte Daten wie das BIP-Wachstum noch stabil wirken, sinkt das Vertrauen von Verbrauchern und Unternehmen deutlich. Die Fed dürfte deshalb vorerst abwarten.
Arbeitsmarkt stützt die Fed-Strategie – vorerst
Der US-Arbeitsmarkt zeigte sich zuletzt widerstandsfähig. Der aktuelle Jobbericht übertraf die Erwartungen und wird der Fed Argumente liefern, den Leitzins im Mai nicht zu senken. Doch die Notenbank steht vor einer schwierigen Aufgabe: Einerseits steigen durch die Zölle die Preise – das spricht für eine straffe Geldpolitik. Andererseits droht durch nachlassendes Wachstum ein schwächerer Arbeitsmarkt – was eigentlich für Zinssenkungen spräche.
„Wir erleben gerade eine Art Stagflationsschock“, sagt Don Rissmiller, Chefökonom bei Strategas. „Das macht es der Fed schwer, beide Ziele – stabile Preise und maximale Beschäftigung – gleichzeitig zu erreichen.“
Zinswende wohl frühestens ab Juli
Der Markt erwartet aktuell mit rund 56 % Wahrscheinlichkeit eine erste Zinssenkung im Juli. Für die Juni-Sitzung ist die Wahrscheinlichkeit hingegen auf etwa 28 % gefallen – noch vor wenigen Tagen lag sie bei 60 %. Insgesamt werden derzeit drei Zinssenkungen für das Jahr 2025 eingepreist (Juli, September, Oktober). Viele Analysten haben ihre Prognosen nach dem soliden Arbeitsmarktbericht nach hinten verschoben.
Allerdings ist fraglich, wie nachhaltig diese Entwicklung ist. „Wenn sich die Auswirkungen der Zölle stärker zeigen, könnte die Fed schneller handeln müssen“, sagt Lindsay Rosner von Goldman Sachs Asset Management. Auch wenn die Inflation über dem Ziel von 2 % bleibt, könnte ein schwacher Arbeitsmarkt die Fed zum Handeln zwingen.
Harte Fakten zählen mehr als Stimmung
Aktuell legt die Fed mehr Gewicht auf harte Daten – Zahlen, die die tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung abbilden – als auf weiche Stimmungsindikatoren. Letztere gelten als frühe Warnsignale, sind aber weniger verlässlich. „Die Fed will handfeste Beweise, dass sich die Konjunktur abschwächt, bevor sie eingreift“, sagt Rissmiller. Sollte sich die Lage erst im dritten Quartal deutlich eintrüben, könnte die erste Zinssenkung auch erst im Herbst erfolgen.
Auch die Analysten von Goldman Sachs betonen, dass die Fed wohl erst dann handeln wird, wenn sich Schwäche in harten Indikatoren wie dem Arbeitsmarkt zeigt.
Fazit: Die Lage bleibt volatil
Trotz der Marktmeinung, dass baldige Zinssenkungen wahrscheinlich sind, bleiben die Unsicherheiten groß. Die wirtschaftlichen Effekte von Trumps Handelspolitik sind noch nicht absehbar. Sollte die Inflation hartnäckig hoch bleiben, könnten die Zinsen sogar bis Jahresende unverändert bleiben. Kommt es jedoch zu einer Eskalation im Handelskonflikt und einer Rezession, wären schnellere und tiefere Zinssenkungen denkbar.

Quelle: www.cmegroup.com
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